Kindern erzählt man Geschichten, damit sie einschlafen.
Erwachsenen, damit sie aufwachen.

Jorge Bucay

Sometimes

Februar 2026

Sometimes you may have to...
leave the familiar to find home,
lose what you have to receive what you truly need,
give up your convictions to hear your inner voice,
forget your direction to meet your path,
lose the rhythm to feel your music,
get out of balance to find safety within you,
let go of your footing to realize you can fly.
 
Sometimes you may have to...
be brave and just let go.
Like the husk that protects the grain, yet the grain can unfold its potential only if the husk lets go.
Or like the tree that sheds all its leaves, gathering its strength within to bloom in new beauty in the coming spring.
So let go.
With the knowledge of the husk and the confidence of the tree.
Let go.
And become who you are.
Who you truely are.
 

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Raum für Entwicklung

November 2025

"L. ist so frech."
"P. kennt keine Grenzen."
"A. ist so anstrengend." 

Kommt dir bekannt vor? 

Wir alle sagen solche Sätze.
 Und meinen es in der Regel nicht böse. 

Aber: 

Wir machen Verhalten zu Identität.
 Und dabei wird aus einem „er/sie VERHÄLT sich auffällig“ ein „er/sie IST auffällig“. 

So entstehen Etiketten:
L. der Störenfried.
P. der Anstrengende.
A., die nie zuhört. 

Und irgendwann glauben es die Kinder. 

Wir reden oft über herausforderndes Verhalten und fragen uns selten, welche Herausforderungen hinter diesem Verhalten liegen könnten. 

Verhalten ist nie zufällig.
Es ist Ausdruck. Kommunikation. Strategie.
Es ist ein Versuch, etwas Ver-Rücktes, gerade zu rücken, etwas Ge-Störtes zu ent-stören.
Jedes Verhalten ist der Versuch, etwas zu lösen.
Und ja – manchmal sind diese Strategien laut, unbequem oder unlogisch. 

Auch beim Lob tappen wir in die gleiche Falle: 

„Du BIST so brav.“
„Du BIST so klug.“
„Du BIST so hilfsbereit.“ 

Nette Absicht, kontraproduktiv in der Wirkung. 

Denn auch Lob, das sich auf eine Person bezieht, bewertet statt zu beschreiben. Dadurch schaffen wir Abhängigkeiten statt Motivation. 

Wie wäre es stattdessen mit:
 🥇 „Ich habe gesehen, wie konzentriert du an der Mathe Arbeit gearbeitet hast.“
 🥇 „Vorher in der Gruppenarbeit ist es dir super gelungen, den anderen gut zu zuhören."
 🥇 „Du hast dich getraut, das zu sagen. Das fand ich sehr mutig.“ 

Merkst du den Unterschied? 

Je konkreter die beschriebene Situation, desto grösser der Ansporn. Weil es Anerkennung nicht für mein Sein ist, sondern für mein Tun, mein Handeln.
 Und weil solches Feedback Raum lässt für Entwicklung. Heute ist es mir 5 Minuten gelungen, mich zu konzentrieren, morgen vielleicht 10. Und wenn es mir übermorgen gar nicht gelingt, dann ist das auch okay, denn ich kann es immer wieder neu angehen. 

Darum: Lasst uns weniger „Verhalten regulieren“ und stattdessen mehr unseren Blick und unsere Worte regulieren. 

Denn kein Kind IST schwierig.
Kein Kind IST brav. 

Jedes Kind VERHÄLT sich mal schwierig und jedes Kind HÄLT sich mal an die Regeln. 
Kinder sind nicht, sie WERDEN. Immer zu.
Und unser Verhalten, unsere Worte leisten einen Beitrag dazu, wie sie werden. 

(Inspired by K. Körber) 

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Erfolg durch Scheitern

August 2022

Untersuchungen zeigen, wer früh (z.B. am Anfang einer Ausbildung, einer Karriere, der Selbstständigkeit etc.) Fehlschläge erlebt und daraus lernt, wird deutlich erfolgreicher sein, als wer am Anfang nicht scheitert. Aus dieser Erkenntnis entstand der Gedanke des „fail fast“, der in der amerikanischen Unternehmenskultur weit verbreitet ist und ein Gegenstück darstellt zu der bei uns mehrheitlich vertretenen „fast track“ Ideologie, also möglichst schnell erfolgreich sein zu wollen. 
Während hierzulande geradlinige Lebensläufe, Abschlüsse und Diplome i.R. am höchsten gewichtet werden, ist eine andere Option, Brüche in Lebensläufen, Fehlschläge und Scheitern als Erfahrung und Reife zu werten, als Zeichen für Kraft und Mut wieder aufzustehen und nicht zuletzt als Garantie, dass eine bestimmte Art von Fehler wahrscheinlich nicht mehr gemacht wird. 
Es ist schon erstaunlich, dass wir schon unseren Kindern u.a. auch in der Schule beibringen, dass Irren und Fehler machen etwas ist, wofür man sich schämen muss. Gleichzeitig gibt es ziemlich sicher keine*n einzige*n Forscher*in auf der Welt, der*die Irren nicht als notwendig betrachtet, um neuen Erkenntnissen und dem Erfolg näher zu kommen.
Fehler machen sollte als Etappe auf dem Weg zum Verstehen und des (sich) Entwickelns gelehrt und verstanden werden. Statt sich zu schämen für Fehler, schlechte Noten sollten wir ermutigen, Fehler zu machen, um aus ihnen zu lernen und vorwärts zu kommen. 
Das gleiche gilt auch für den Erfolg in Unternehmen: Eine gute Fehlerkultur ist eine der wichtigsten Erfolgsvoraussetzungen. Denn wo ich mich irren darf, da kann ich (mich) entwickeln. Und im Gegenzug: Wo keine Fehler passieren dürfen, wird (ungewollt) Stillstand gefördert, da schlicht das Sicherungsnetz fehlt, Neues zu probieren und über den Status quo hinauszuwachsen.
Es spricht also nichts dagegen, unseren Rationalismus wenigstens ab und zu hinten an zu stellen und uns mehr von Empiriker*innen wie Emerson (1803 – 1882) leiten zu lassen, der sagte: "All life is an experiment. The more experiments you make the better." Oder ganz nach dem Motto von S. Beckett (1906 - 1989): "Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail better."
 

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Zitrone oder Limonade?

Juni 2022

Man sagt: "Wenn dir das Leben Zitrone gibt, mach Limonade draus." 

Aha, also sozusagen den Blick einfach weg vom Sauren, etwas Zucker drauf und schon ist gut?! Eher nicht. Jedenfalls längst nicht immer. Manchmal ist Zitrone einfach Zitrone und es ist auch ganz okay, ja sogar gut, sich das einzugestehen. Es ist wichtig, dass wir wahrnehmen, was uns nicht gut tut. Z.B. Situationen oder Menschen. Das erst gibt uns den nötigen Kick, etwas zu ändern. Wenn wir diesen Impuls „iik, saure Zitrone!“ zu rasch aus der Welt schaffen und aus jeder Zitrone direkt Limonade machen, verpassen wir vielleicht die Chance, ehrlich nach dem passenden Weg für uns zu suchen. Also wenn dir das Leben das nächste Mal Zitrone gibt, halte wenn möglich einen Moment inne und frage dich: Ist es Zeit für Limonade oder für einen Schlussstrich? Limonade heisst, es ist Zeit, an der bestehenden Situation etwas zu verbessern, so dass aus Saurem eben Limonade werden kann. Schlussstrich heisst, es ist Zeit zu akzeptieren, dass diese Zitrone sauer ist und bleibt oder mit anderen Worten: Scheisse ist Scheisse und im besten Fall Dünger für etwas Neues.
 

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Auf das gelebte Leben

Dezember 2021

Erfolge feiern liegt im Trend.

Schau her, welche Hindernisse ich überwunden und welche Siege ich errungen hab!

Schau, wie mein Einsatz und mein Mut sich gelohnt haben!

Das Gelungene zu teilen, fällt uns leicht.

Und gleichzeitig wissen und kennen wir es alle:

Leben ist mehr als seine Sonnenseiten.

Mehr als makellose Gesichter und getrimmte Körper.

Mehr als lachende Bilderbuchmomente

Mehr als das, was gelingt.

Manchmal ist Leben dunkle, sternenlose Nacht, deren Ende nicht in Sicht ist.

Manchmal ist Leben grausam, zerstörerisch, zermürbend 

Manchmal ist Leben Ohnmacht.

Und all das ist nur schwer auszuhalten.

Also tun wir, was in unserer Macht steht, um dieses Gefühl gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Koste es, was es wolle 

Hauptsache es verschwindet.

Denn im Angesicht der Ohnmacht,

könnte unausweichlich klar werden:

Es gibt sie.

Die Fragen ohne Antworten.

Die Geschehnisse ohne Sinn.

Die Situationen ohne Ausweg.

Die Ungerechtigkeiten, die nicht weg zu diskutieren sind.

Und dann stehen wir.

Mitten in der Nacht.

Klein und verletzlich.

Und zum Vorschein kommt, was wir mit aller Macht vergessen wollten:

Unsere Begrenztheit und damit auch unsere Endlichkeit.

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Endlich sind wir.

Und endlich ist alles.

Das Schöne und das Traurige.

Das Schlechte und das Gute.

Das Angenehme und das Unangenehme.

Der Tag und die Nacht.

Die Macht und die Ohnmacht.

Alles kommt und alles geht.

Und vielleicht steckt gerade darin eine grosse Kraft, eine Chance, ein Lebendig-Sein 

Wie der Herbst, der den Baum auffordert seine Blätter loszulassenm

Wie der Frühling, der die neuen Sprosse aus dem Boden treibt.

All das ist Leben 

Also will ich Erfolge feiern und Misserfolge ebenso 

Ich will Gipfel erklimmen und Täler durchwandern.

Macht haben und Ohnmacht akzeptieren.

Strahlen und verletzlich sein.

Ich will die Chance annehmen, die in beidem liegt und die in Erinnerung ruft:

Wir brauchen einander.

Denn alles ist miteinander verwoben.

Wir atmen die selbe Luft, leben auf der selben Erde, nutzen die selben Ressourcen.

Alles ist Teil von uns. 

Die Grenzen und die Möglichkeiten.

All das ist Leben.

Und all das sind wir.

Auf ein Neues Jahr.

Voller gelebtem Leben.

In Verbundenheit .

Miteinander und mit allem um uns.

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Um-Deutung

Dezember 2019

P: Ich schaffe es eh nicht, mein Ziel zu erreichen.
Ich: Wie kommen Sie darauf?
P: Ich bin faul.
Ich: Sagt wer?
P: Man sagte es mir. Immer wieder. Eltern. Lehrpersonen etc.
Ich: Mit welcher Begründung?
P: Weil ich nur das Minimum und das Meiste auch noch im letzten Moment erledigte.
Ich: Wie waren Ihre Noten in der Schule?
P: Zwischen okay und sehr gut.
Ich lege drei Hindernisse auf den Tisch und dahinter ein symbolisches Ziel.
Ich: Stellen Sie sich vor, Sie stehen vor diesen Hindernissen und wollen zum Ziel. Was machen Sie?
Ohne einen Moment zu überlegen, antwortet die Person:
P: Ich gehe aussen rum.
Ich: Ist das nun faul?
P: Hm…
Ich: Ich denke, es ist intelligent.
P: Ach ja?
Ich: Den schnellsten, zielführenden Weg mit möglichst wenig Aufwand zu finden, setzt Intelligenz voraus. Sie schafften es, mit möglichst wenig Aufwand, okay bis sehr gute Noten zu erzielen. Das ist eine Leistung!
P: Dann bin ich also intelligent und nicht faul?!
Ich: Yes! Und wenn Sie sich ein Ziel setzen, werden Sie Ihre Intelligenz nutzen, um es zu erreichen. Wenn es bedeutet, Hindernisse dafür überwinden zu müssen (weil es keinen Weg daran vorbei gibt), werden Sie die Hindernisse überwinden (lernen).

Un-Wörter

Juli 2019

Unnötig
Unwichtig
Umweg
Unhaltbar
Unsäglich
Unmännlich
Unweiblich
Undenkbar
Unaustehbar
Unordentlich
Unqualifiziert
Unwahr
Unfug
Unzeitgemäss
Untauglich

Unkraut
Es war mal wieder Zeit.
Eigentlich schon längst überfällig.
Das Unkraut zwischen den Steinplatten musste weichen. Mit den entsprechenden Gartengeräten ausgerüstet, machte ich mich ans Werk.
Un-ästhetisches. Un-ordentliches. UN-KRAUT!
Jetzt geht es dir an den Kragen!
Und plötzlich das: Inmitten des Unkrauts dieses unglaublich, wunder-, wunder-, wunderhübsche Miniatur Blümchen.
Und könnte es, würde es vielleicht sagen:
Es ist an der Zeit
um-zudeuten
um-zudenken
und
das vermeintlich
Un-Passende und Un-Nötige und
den vermeintlichen
Um-Weg zu
UM-ARMEN.
Damit die Blume sichtbar werden kann.
Im Annehmen liegt der Schlüssel zur Veränderung. 
  

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Gutes Wachstum?

Mai 2019

"Wem genug zu wenig ist, dem ist nichts genug" (Epikur). Über weite Strecken haben wir Wachstum mit Unersättlichkeit gleichgestellt. Immer mehr, weiter, schneller hiess die Devise. Genug war definitiv nie genug. An vielen Orten und in vielen Bereichen ist seit längerem ein Umdenken im Gange. In der Pädagogik (statt Frühenglisch wieder raus in den Wald), in der Wirtschaft (z.B. Gemeinwohl-Ökonomie), im Arbeitsleben (z.B. Verkürzung der Arbeitszeit von 8 auf 6 Stunden/Tag) und im Privaten (müssiges Nichtstun als Burnout Prophylaxe). Heute und in Zukunft werden wir gefordert sein, die tiefen Furchen, die unser unersättliches Wachstum hinterlässt, wie Klimawandel und Insektensterben, zu glätten. Uns darauf zu besinnen, dass mehr nicht immer mehr ist, schneller nicht immer besser. Gleichzeitig: Zu wachsen bedeutet lebendig zu sein. Denn alles Lebendige strebt danach zu wachsen. Gutes Wachstum soll und darf also möglich sein. Die Frage ist, was bedeutet "gutes Wachstum"? Ich mag den Ansatz von Jochen Mariss: "Wachsen heisst: Ganz behutsam und allmählich die uns eigene Grösse zu entwickeln, bis wir den Himmel in uns berühren." 
Wachsen, behutsam und langsam. In meinem mir eigenen Tempo. Und wachsen - nicht über mich hinaus, sondern zu mir hin. In meine mir eigene Grösse hinein. 
Bis ich den Himmel in mir berühren kann.

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Time for a change?

April 2022

Remember:

Growing confidence might feel like arrogance, when you are used to beeing insecure.

Becoming more assertive might feel like aggression, when your are used to be hesitant.

Learning to prioritize yourself might feel selfish, when you are not used to name your needs.

Your comfort zone is not a good benchmark.

Growth begins beyond your habits.